Azubis in Wort und Bild

07.12.2017Mein Auslandspraktikum auf Malta

Vorbereitungen

Aufmerksam auf die Möglichkeit ,,Auslandspraktikum während der Ausbildung“ bin ich durch eine interne Informationsveranstaltung meines Ausbildungsbetriebes Stadt Wetzlar geworden. Dort stellte sich der Verein ,,Arbeit und Bildung e. V.“ vor, welcher Einsatzmöglichkeiten in Europa organisiert und die Modalitäten des Auslandspraktikums abwickelt. Durch meine eigenen positiven Erfahrungen mit Schüleraustauschen in England und in Schweden war ich persönlich schnell davon begeistert, Arbeitserfahrungen während meiner Ausbildung im EU-Ausland sammeln zu können.

Recht schnell baute sich der Kontakt zu Frau Alberti von Arbeit und Bildung auf. Wir trafen uns und besprachen alles, was an notwendigen Unterlagen auszufüllen und abzugeben war. Gemeinsam setzten wir uns Fristen mit Pufferzeiten, damit wir alles stressfrei schafften. Dies war für uns beide der beste Lösungsweg und gilt hier als persönliche Empfehlung. Da auch Unterlagen von der Versicherung und einzuholende Unterschriften ihre Zeit benötigen, hatten wir eine Vorlaufzeit von 2 Monaten.

 

Mein erster Tag

Meine Ankunft in Malta war gut durchgeplant. Das Taxi kam pünktlich und der Fahrer war aufmerksam. Auch das Apartment schien auf den ersten Blick großzügig und modern. Moderne Standards sind allerdings in den südlichen Ländern andere als die Deutschen. Davon darf man sich nicht beirren lassen. Zum Glück hatte ich, gemeinsam mit meiner Mitreisenden eines anderen Betriebes, das Zimmer mit eigenem Badezimmer. Da die Wohnung drei nicht abschließbare Schlafzimmer mit je zwei Betten hatte, wäre es sehr kompliziert geworden, wenn sich sechs Frauen ein Badezimmer morgens vor der Arbeit hätten teilen müssen. Auch die Küche bot ausreichend Platz für uns alle, auch wenn der Kühlschrank für sechs Personen etwas zu klein war. Weiter hatten wir noch einen Balkon, welcher sich zum Glück für die Raucher oft im Schatten befand. Zu meiner Reisezeit gab es eine Hitzewelle in Malta, wobei die nächtlichen Temperaturen auch nur auf durchschnittlich 30 Grad abklangen.

Das ,,welcome meeting“ mit Paragon war dann doch anders als beschrieben. Es fand nicht in einer Gruppe, sondern nur für uns zwei statt. Ausgegangen waren wir von mindestens einer Stunde und der Aufenthalt dauerte nur 20 Minuten. Die Dame war sehr hektisch und im Stress des täglichen Berufslebens. Dadurch stellte sie uns nur einen kleinen Teil der nötigen Informationen vor. Die Präsentation wollte sie uns eigentlich noch schicken. Nach und nach bemerkten wir aber, dass wir die Präsentation nicht mehr bekommen würden. Interkulturell kann man daraus also schließen, dass die Malteser gar nicht immer so entspannt sind, wie alle als Vorurteil denken.

Mein Arbeitsplatz

An meinem ersten Tag an der Arbeit hatte ich erstmal Probleme das Büro zu finden. Das Krankenhaus war so ein großer und unübersichtlicher Komplex. Allerdings gab es einen sehr hilfsbereiten älteren Herren der uns quasi ,,an die Hand nahm“, mit uns den ganzen Weg zurück lief und uns fast schon direkt auf dem Bürostuhl absetzte. Interkulturell hab ich an dieser und vielen weiteren Situationen bemerkt, dass Malteser sehr aufopferungsvolle und hilfsbereite Menschen sind.

Diese interkulturelle Erfahrung spiegelte sich auch in allen meinen Kollegen und Vorgesetzen wieder. Sie waren sehr neugierig und aufgeschlossen. Viele interessante Gespräche sind dadurch entstanden.

Die Einarbeitung in das Ausstellen von Krankenversicherungskarten fiel mir am Anfang etwas schwer, da die Postadressen sehr unterschiedlich zu unseren sind. So bekommt z. B. jedes Haus seinen eigenen Namen. Die Einen schreiben die Adresse auf Malti, die Anderen auf Englisch und so manch ein Gozianer schreibt schon nicht mehr Gozo dahinter, denn das müssten ja alle wissen (ein Kollege erläuterte mir das wäre Nationalstolz). Nach drei bis fünf Tagen hatte ich den Dreh raus und arbeitete sehr selbstständig. Die Kollegen waren sehr erfreut darüber. Weiter ist mir aufgefallen, dass die Malteser nicht sehr gerne Arbeit zuteilen, sondern dass man selbst aktiv auf sie zukommen muss. Sie empfinden das als sehr unangenehm und deshalb ist diese Situation sehr selten vorgekommen. Wer sich da also nicht selbst integriert, bekommt auch keine Arbeit.

 

Meine Freizeit

Da Malta nicht besonders groß ist und das Busnetz wirklich sehr gut ausgebaut ist, konnte ich nach jedem Arbeitstag in Malta herum reisen. Den einen Tag ging es nach Valletta, den anderen Tag ging es nach Sliema, und an langen Tagen (Wochenende) nutze ich die Zeit für Gozo, Comino und eine Hop On Hop Off Bus Tour. Es gibt neben den vielen Sandstränden im Nord-Westen von Malta auch sehr viele Steinstrände, die man mit Badeschuhen alle sehr gut begehen kann. Von meinem Wohnort Birkirkara waren alle Sehenswürdigkeiten in gut einer Stunde Busfahrt zu erreichen. Die Busse waren alle sehr gut klimatisiert. Auch ist mir aufgefallen, dass man in Malte nicht ein Stück Papier vorzeigt, sondern seine Karte durch einen Code an einem Terminal vorne im Bus einlesen muss. Im Bus selbst gibt es, wie bei uns, freizuhaltende Plätze für Behinderte, Ältere und Mütter/Väter mit Kinderwagen. Manch ein Malteser ist nett und macht den Platz frei und manch ein Malteser eben nicht. Wie bei uns in Deutschland alles eine Frage der Erziehung.

Meine Abreise

Das ,,closing meeting“ mit Paragon war sehr verwirrend. Dabei habe ich auch bemerkt, dass Malteser einen wirklich nicht besonders oft ausreden lassen und man ständig verlängerte Diskussionen führen muss. Wir waren wieder von einer Stunde ausgegangen und haben nur fünf Minuten gebraucht. Da wir im „welcome meeting“ über wesentliche Dinge wie „Deposit“ und „non refundable“ nicht richtig informiert worden sind, obwohl wir mehr als einmal gefragt haben, gab es hier auch wieder einige negative Überraschungen.

Der Taxifahrer, der uns zum Flughafen bringen sollte, kam überpünktlich. Leider kam keiner zur Wohnungsinspektion vom Team Paragon, auch wenn diese zeitlich begrenzt angesetzt war. Wir hätten den letzten Tag besser nutzen können, hätte man uns das gesagt.

Am Flughafen von Malta, der schön übersichtlich ist, ging alles sehr schnell. Kein langes Anstehen oder Warten, keine langen Fußwege. Hätten wir gewusst, dass diese Abwicklung weitaus schneller geht als in Deutschland, wären wir zu einem späteren Zeitpunkt gekommen. Daraus ergab sich leider, dass wir zwei Stunden vor unserem Flugzeug warten mussten. Ein netter Mitarbeiter hat kostenloses Wasser verteilt.

Der Flug dauerte nur 2,5 Stunden und der Pilot machte uns die Sicherheitseinweisungen sehr unterhaltsam mit beispielsweise Aussagen wie „Helfen Sie symphytischen Mitreisenden.“ Oder „Wir sind butterweich gelandet“. Getränke und einen Snack gab es kostenlos.




Bilder:
Marsaxlokk
Paradise Bay

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