Azubis in Wort und Bild

02.09.2015Erfahrungen zur Summer School in Tallinn, Estland - von Benjamin Löw

Den Wunsch, während meines Studiums eine Summer School im Ausland zu besuchen, hatte ich schon länger. Einerseits wollte ich mein Englisch aufbessern, andererseits erhoffte ich, viele neue Erfahrungen sammeln zu können. Dass meine Wahl dabei auf Estland fallen würde, hätte ich jedoch nicht gedacht. Als ich mich an der THM über mögliche Ziele informierte, war mir schnell klar, dass viele Angebote entweder sehr teuer oder aber zeitlich nicht mit meinem Studienplan zu vereinbaren waren.

So fiel meine Wahl auf die Hauptstadt von Estland, Tallinn. Im Nachhinein bin ich auch sehr froh darüber, dass ich dadurch die Möglichkeit hatte ein Land kennen zu lernen, von dem ich vorher nicht viel mehr wusste, als dass es geografisch zum Baltikum gehört.

Aus diesem Grund möchte ich einige Fakten zu Estland nennen. Das Land hat eine Bevölkerung von 1,3 Millionen Menschen, wovon 400.000 in der Hauptstadt Tallinn (ehemals Reval) leben. Flächenmäßig ist Estland etwas kleiner als Niedersachsen. Die Amtssprache ist Estnisch, wobei auch viele Menschen Finnisch, Englisch und Russisch sprechen. Nachbarländer von Estland sind Russland und Lettland, jedoch sind auch Finnland und Schweden innerhalb weniger Stunden mit der Fähre zu erreichen. Die Esten sind sehr stolz auf ihre Unabhängigkeit, die seit 1991 besteht. Zudem sind sie sehr fortschrittlich, besonders im Bereich IT Technologie. So wurde zum Beispiel die Telefon Software Skype in Estland gegründet. Zudem hat man an allen öffentlichen Plätzen kostenloses WLAN.

Während meines Aufenthalts in Estland war ich in einem Studentenwohnheim der Universität untergebracht, in dem die meisten Teilnehmer der Summer School wohnten. So war es nicht schwer, schnell erste Kontakte zu knüpfen. Das Wohnheim ist ein sieben-stöckiger Plattenbau, der zum Glück nur von außen etwas abschreckend wirkt. Im Inneren ist es in einzelne Wohnbereiche gegliedert, zu denen jeweils vier separate Schlafräume, zwei Badezimmer und eine gemeinsame Küche gehört.

Die Einrichtung ist im Gegensatz zu äußeren Erscheinungsbild sehr modern. Meinen Schlafraum teilte ich mit einem Kanadier aus Halifax und einem Türken aus Istanbul. Weiterhin lebten in unserem Wohnbereich ein Japaner, ein Russe, ein Pole und zwei weitere Kanadier. Der Lerneffekt war, dass ich auch außerhalb des Unterrichtes auf Englisch verständigen musste.
Die Unterkunft befindet sich in Hafennähe, so dass man vom Balkon aus die einlaufenden Fähren und Kreuzfahrtschiffe beobachten kann. Die Universität ist fußläufig in fünf Minuten, Stadtmitte und Ostseestrand in jeweils 15 Minuten zu erreichen.

Nach dem ersten Kennenlernen meiner Zimmerpartner, ging es zu einem Begrüßungsabend an die Universität. Dort gab es erste Informationen über den Ablauf der verschiedenen Kurse. Im Anschluss konnte man bei einem gemütlichen Snack mit anderen Teilnehmern (insgesamt über 300 aus 50 verschiedenen Ländern) ins Gespräch kommen.

Am nächsten Tag startete mein Englischkurs. Mein Lehrer Daniel war ein gebürtiger Engländer, der aber inzwischen in Tallinn lebt. Unsere Klasse bestand aus zwölf Personen, sodass das Lernen sehr angenehm war. Während des Kurses konzentrierten wir uns hauptsächlich darauf, das freie Sprechen und Diskutieren zu üben. Neben diesem „klassischen“ Unterricht, gab es auch verschiedene andere erlebnisorientierte Lernmethoden. So verbrachten wir zum Beispiel einen Vormittag in der Altstadt und hatten die Aufgabe in Gruppen verschiedene Fragen über die Stadt zu beantworten.

Als Prüfungsleistung mussten wir am letzten Tag eine Präsentation über Stereotypen unserer Länder halten, was bei so vielen unterschiedlichen Kulturen sehr interessant war. Der Englisch Kurs war sehr hilfreich. Ich konnte meinen Wortschatz erheblich erweitern und das freie Sprechen fällt mir wesentlich leichter. Jedoch lernte man genauso viel außerhalb des Kurses, da ich meine Freizeit mit den anderen Studenten verbrachte und die Verständigung nur über Englisch möglich war.

Nach dem Unterricht und an den Wochenenden konnte man an einem von der Universität organisierten Kulturprogramm teilnehmen, um Tallinn aber auch Land und Leute besser kennen zu lernen.

In der ersten Woche nahm ich an einer Stadtführung durch die historische Altstadt von Tallinn teil. Seit 1997 gehört die Tallinner Altstadt als außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Handelsstadt zum UNESCO Weltkulturerbe. Bei einem Besuch stellt man schnell fest, dass die Stadt diesem Titel mehr als gerecht wird. Es gibt eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Von der ältesten Apotheke Europas, über historische Kirchen bis hin zum Schlossberg.

Weiteres Kulturprogramm war eine Radtour durch das Umland von Tallinn, verschiedenste Museumsbesuche, Estnische Filme im universitätseigenem Kino und eine Strandparty. Zudem gab es einen Wochenendausflug nach Haapsalu und Pärnu. Beide Städte haben eine herrliche Strandpromenade, an der man seine freie Zeit genießen konnte. Da ich nur an einem Wochenendausflug teilnahm blieb mir die Zeit für einen Kurztrip nach Helsinki (Finnland), eine Stadt, in der ein Besuch lohnenswert ist.

Ein Highlight des Kulturprogramms war der internationale Abend, an dem sich im Vorfeld alle Studenten aus den jeweiligen Ländern zusammenfinden mussten, die Kultur ihres Heimatlandes vorzustellen. So gab es aus den einzelnen Ländern eine große Auswahl von kulinarischen Köstlichkeiten, aber auch Musik, Tänze und Gesangsaufführungen. Es war ein sehr amüsanter Abend, an dem man tolle Einblicke in die unterschiedlichsten Kulturen bekommen konnte.

Für mich war es eine sehr lohnende Zeit mit vielen neuen Erfahrungen, die ich jedem Studierenden und Auszubildenden weiterempfehlen kann. Man lernt sich in einem fremden Land und in einer anderen Sprache zurechtzufinden, schließt neue Freundschaften und lernt den Umgang mit den unterschiedlichsten Kulturen.

Bedanken möchte ich mich dafür, dass mir diese Reise während meiner Praxisphase ermöglicht wurde.

Benjamin Löw
Studierender Business Administration




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