Azubis in Wort und Bild

13.03.2017Das kleinste Mitgliedsland der Europäischen Union entdecken - Mein Auslandspraktikum auf Malta

Mein Name ist Lena Pfeiffer und ich mache seit 2014 eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten.

Meine Wahl für das Auslandspraktikum fiel auf Malta. Die Republik Malta umfasst 430.000 Einwohner, also 1.346 Einwohner pro km². Zum Vergleich: Deutschland zählt 230 Einwohner pro km². Die Amtssprachen sind Maltesisch und Englisch, daher konnte ich mich verständigen. Zudem wollte ich meinen Horizont erweitern und andere Kulturen kennen lernen. Man sagt oft, dass südländische Kulturen und Wertevorstellungen ganz andere sind als die der Deutschen. Maltesische sind es tatsächlich, das weiß ich jetzt.

In den Sommerferien habe ich also mein vierwöchiges Praktikum absolviert. Ich sollte in einem Wirtschaftsunternehmen arbeiten und war schon sehr gespannt darauf. In Malta hat mich bei der Suche eines Praktikumsplatzes die Agentur Paragon Europe unterstützt. Schon der Kontakt mit der Agentur erfolgte ausschließlich auf Englisch und ich konnte meine Sprachkenntnisse schon vor der Reise aufbessern. Paragon Europe kümmerte sich auch um meine Unterkunft, ein Apartment mit zwei weiteren Praktikanten aus Europa. In Malta angekommen, erfuhr ich, dass mein Mentor leider mein Praktikum abgesagt hat und so machte ich kurzerhand mein Praktikum bei Paragon Europe selbst. Das Unternehmen vermittelt Praktikumsplätze in ganz Malta und bietet zudem Unterkünfte, Englischkurse und Kulturreisen an. Paragon Europe beschäftigt ca. 25 Mitarbeiter und einige Praktikanten und ist in verschiedene Sachgebiete eingeteilt. Die Sachgebiete setzen sich aus Empfang, Finanzen, Koordination von Praktikumsplatz und Unterkunft, Koordination und Kommunikation mit den Entsendeländern und Koordination des Aufenthalts zusammen.

Das Praktikum begann mit einem Welcome Meeting, in dem wir die wichtigsten Informationen über Malta selbst und über unseren Praktikumsbetrieb bekamen. Bei Paragon Europe wurde ich im Bereich „Koordination des Aufenthalts“ eingesetzt. Was mir sofort auffiel: Die Mitarbeiter teilten sich einen Schreibtisch. Man sitzt sich auf der jeweils anderen Hälfte des Schreibtisches gegenüber. In Deutschland hat man meist seinen eigenen Schreibtisch. Während meines Praktikums fertigte ich diverse Excel-Listen mit ankommenden und abreisenden Praktikanten als Übersicht für meine Mentorin an, bereitete die verschiedenen Meetings vor und sorgte für ausreichend Unterrichtsmaterial für die Englischkurse. Zusätzlich habe ich weitere Mitarbeiter unterstützt und habe so auch die Zertifikate für die abreisenden Praktikanten vorbereitet. Die Mitarbeiter waren allesamt sehr nett und der Geschäftsführer ging mittags zu jedem Mitarbeiter, fragte, ob alles in Ordnung sei und machte ein paar Scherze. Somit lockerte er den Arbeitstag ein bisschen auf und man merkte, dass dies bei den Mitarbeitern und auch bei uns Praktikanten gut ankam. Allgemein wurde man sehr oft gefragt, ob es einem gut ginge und dies ließ mich schnell in Malta ankommen. Den Maltesern ist es sehr wichtig, dass es den Menschen gut geht, sie sich wohl fühlen und das Land Malta mögen.

In meiner Freizeit war ich oft unterwegs und habe die Insel entdeckt. Mobil war ich ausschließlich durch die maltesischen Busse, das einzige öffentliche Verkehrsmittel in Malta. Ich habe mit ungarischen und deutschen Praktikanten viel unternommen und so auch meinen Lieblingsort in Malta gefunden. Comino, eine der drei Inseln des Archipels. Während Sandstrände in Malta sehr selten sind, findet man diesen dort und zudem klares türkis schimmerndes Meer und einen wunderschönen Blick auf das Mittelmeer. Natürlich bemerkte ich auch einige kulturelle Unterschiede. Malteser sind sehr gelassen und gleichzeitig auch sehr temperamentvoll. Gelassenheit sollte man auf jeden Fall nach Malta mitbringen.

Durch das tägliche Verkehrschaos habe ich manchmal bis zu drei Stunden an die Arbeit gebraucht. Das maltesische Temperament fand ich sehr bemerkenswert. Gerieten Malteser in Streitigkeiten, wurde es kurz laut und man sagte sich gegenseitig seine Meinung und anschließend waren die Menschen wieder gut miteinander. In Deutschland sind wir oft sehr nachtragend. Auch ihre Prioritäten setzen die Malteser anders. Während bei uns meist das schicke Auto, das tolle Haus und der gutbezahlte Job an erster Stelle stehen, setzen die Malteser sehr viel mehr Wert auf die Familie und ihr Wohlergehen. Autos und Häuser stehen merklich an hinterer Stelle. Oft habe ich mich an ein Seminar „Interkulturelle Kompetenz“, welches ich im Rahmen der Ausbildung gemacht habe, erinnert. Wir gehen meist viel zu oft von unseren Standards aus und blicken nicht hinter das Verhalten anderer Menschen, welches möglicherweise nicht in unsere Wertevorstellung passt und urteilen dann zu schnell. Ich habe einiges in Malta gelernt und einen anderen Lebensstil kennen lernen dürfen. Ich konnte mich persönlich weiter entwickeln, mein Selbstbewusstsein ausbauen und mein Bewusstsein für andere Kulturen stärken.

Ich bin sehr dankbar, dass ich das Auslandspraktikum machen durfte und kann es nur weiter empfehlen. Man verbessert nicht nur seine Sprachkenntnisse, sondern lernt auch viel Neues, lernt andere Arbeitsweisen kennen, stärkt sein Selbstbewusstsein, macht wichtige Erfahrungen, lernt einiges über sich selbst und trifft viele unterschiedliche Menschen.

 

 




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